Filmspots: Ein Ministerpräsident, eine Schnecke und eine Spitzenkandidatin vor einer weißen Wand.

Kurze Wahlkampfwerbefilme haben in Deutschland – wegen der geringen Möglichkeit zur TV-Ausspielung – noch keinen so großen Stellenwert wie in den amerikanischen Wahlkämpfen mit ihren Millionenbudgets für Werbeslots im Fernsehen. Trotzdem verfügen Kandidaten und Parteien mit den sozialen Medien, Homepages, regionalen Kinos und RegionalTV-Sendern über eine nicht zu unterschätzende Reichweite. In Bewegtbild lassen sich Kandidaten authentisch darstellen und bieten den Wahlkampfmanagern so ein Tool der unzensierten Präsentation ihres Kandidaten und dessen Vorstellungen für das Land.

Seit 2011 regiert Ministerpräsident Dr. Reiner Haseloff in Sachsen-Anhalt, gemeinsam mit mit der SPD. Am 13.3.2016 wird nun der neue Magdeburger Landtag gewählt. Aktuellen Umfragen zufolge wird die CDU weiterhin stärkste Kraft bleiben, gefolgt von der Linken und einem Zweikampf um Platz Drei zwischen SPD und AfD. Grüne und FDP müssen um den Einzug in das Parlament bangen. Wie präsentiert sich der Amtsinhaber in seinem Werbespot, wie die Opposition? Und hat die AfD ihren Aufschwung auch Bewegtbildern zu verdanken?

Unsere Bewertung der Spots in Kürze:
1. Grüne (Note: 2+)
2. Freie Demokraten (Note: 2)
3. SPD (Note: 2-)
4. CDU (Note: 3)
4. Linke (Note: 3)
6. AFD (Note: 5-)

CDU

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Unsere Heimat. Unsere Menschen. Für klare Verhältnisse in Sach…Nur mit der CDU und Reiner Haseloff auch weiterhin erfolgreich in und für Sachsen-Anhalt. #ltwlsa

Posted by CDU Sachsen-Anhalt on Montag, 15. Februar 2016

In dem Spot der CDU Sachsen-Anhalt werden verschiedene Menschen aus dem Land gezeigt. Ein Radiomoderator, eine Bürgerin, ein Student, eine junge Mutter und ein Arbeiter präsentieren ihre Gründe für eine Weiterführung der CDU Regierung. Am Ende stellt Ministerpräsident Haseloff seine Bilanz und Ideen für eine Regierung „aus der Mitte“ vor und bittet um zwei Stimmen für seine Partei.

Handwerklich gibt es auf den ersten Blick nicht viel an dem Spot zu kritisieren. Wenn man sich aber die gezeigten Personen etwas genauer anschaut, fällt auf, dass es sich dabei nicht um unabhängige Bürgerinnen und Bürger handelt, die die CDU loben und unterstützen – sondern eigentlich um den Moderator des CDU Fraktion-TVs in Sachsen-Anhalt, einer Mitarbeiterin eines CDU-MdLs und einen Junge-Union-Funktionär. Durch dieses Eigenlob verliert der Spot deutlich an Ehrlichkeit.

Handwerklich ist der gesamte Spot ohne größere Fehler: eine gute Arbeit. Strategisch ist es allerdings wohl eher ungeschickt das eigene Personal für das Lob der eigenen Regierung zu nutzen. Daher im Gesamtblick nur „Befriedigend“.

Agentur und Regie: Keine Angaben.

 

DIE LINKE

Die Linke präsentiert in ihrem Spot Sachsen-Anhalt als „lahme Schnecke“. Großaufnahmen zeigen das Weichtier auf einer hellen Fläche. Eine weibliche Stimme merkt an, dass Sachen-Anhalt zwar ein schönes Land sei, aber hinter seinen Möglichkeiten zurückbleibe. Schuld daran: die CDU. Nur die Linke und ihr Spitzenkandidat Wulf Gallert, der am Ende direkt zum Zuschauer spricht, könnten endlich dafür sorgen, dass sich dies ändere und die „Politik endlich wieder Fahrt aufnehme“.

Filmtechnisch ist auch hier wenig zu bemängeln. Ob es jedoch eine gute Idee ist für das Land eine Schnecke als Symbol zu nehmen und ihr einen roten Rennwagen gegenüberzustellen, darf bezweifelt werden. Welcher Wähler lebt schon gerne in einem Schnecken-Land?
In der Endabrechnung ebenso eine „befriedigende“ Leistung.

Agentur und Regie: Keine Angaben.

SPD

 

Die Spitzenkandidatin der SPD Sachsen-Anhalt, Katrin Budde, wird in ihrem Spot CloseUp vor einer hellen Wand präsentiert. Im ganzen Spot spricht die Landtagsabgeordnete direkt zu dem Zuschauer – ohne Musik, ohne Bewegtbild-Einblendungen. Sachsen-Anhalt könne mehr als Frühaufstehen und es sei Zeit für Zukunft – meint die SPD. Ob es strategisch klug ist zu sagen, dass Sachsen-Anhalt unter Wert regiert werde, wenn die SPD mit Jens Bullerjahn doch den stellvertretenden Ministerpräsidenten stellt, sei dahingestellt. Optisch erzeugen die Spots jedoch eine große Zuschneidung auf und Aufmerksamkeit für die Spitzenkandidatin: Staatstragend. Insgesamt wirkt der Spot so jedoch ein bisschen wie ein sprechendes Wahlplakat – da wäre womöglich noch mehr drin gewesen für die SPD. Daher in Schulnoten eine 2-3.

Agentur: Elephantlogic
Regie: Jörg Hüster

AFD

Die Alternative für Deutschland arbeitet bei ihrem Spot für die Landtagswahl in Sachen-Anhalt mit einem altbewehrten Film-Aufbau, der schon bei der letzten Bundestagswahl genutzt wurde: „besorgte“ Bürgerinnen und Bürger stellen Suggestivfragen, die dann von einer heroischen Stimme und unterstützt von Text-Einblendungen mit AfD-Forderungen und cineastischer Musik beantwortet werden. Dazu wird mit dem Schlagwort „Armlänge Abstand“ und einer jungen Frau, die wieder unbesorgt feiern gehen wolle, direkt auf die Silvesterereignisse von Köln Bezug genommen. Am Ende wird aufgefordert, die Bürger sollen am „Politikwandel“ durch die Wahl der AfD teilnehmen.

Eine Mischung aus selbstbeantworteten Fragen, Floskeln und Nationalismus: Nix neues bei der Alternative für Deutschland. “Die Versetzung ist gefährdet.”

Agentur und Regie: Keine Angaben.

Grüne

Der Spot der Grünen Sachsen-Anhalt ist mit 30 Sek Länge nur halb solang wie die anderen Spots. Mit einer 2D-Animation wird hierbei begründet, für was die Grünen im Land stehen: Tier- und Umweltschutz, für bessere Bildung und gegen das Freihandelsabkommen TTIP. Sie wollen ein besseres Miteinander in Sachsen-Anhalt – ausgenommen Nazis. Das Ganze wird von einer weiblichen Stimme und mit schönen Emoticons präsentiert. Leider sieht man dabei weder die Spitzenkandidatin Claudia Dalbert noch Bild-Aufnahmen von Sachsen-Anhalt.
So besitzt der handwerklich gut gemachte Animationsfilm eine gewisse regionale Austauschbarkeit. Trotzdem eine gute Leistung.

Agentur und Regie: Keine Angaben.

FREIE DEMOKRATEN

Die Freien Demokraten Sachsen-Anhalt und ihr Spitzenkandidat Frank Sitta präsentieren einen handwerklich stimmigen Spot. Detailaufnahmen vom Land und Kandidaten unterfüttern kurze Redeteile von Sitta an einem Schreibtisch. Die Freien Demokraten wollen Sachsen-Anhalt besser machen – mit neuem Gründergeist, Bürokratieabbau, dem Stopp von Schulschließungen und Highspeed Internet. Die schnellen und stimmigen Schnitte geben dem ganzen Spot etwas Junges. Einzig die Frontalaufnahmen von Sitta am Schreibtisch wirken etwas leblos. Insgesamt ein guter Spot.

Agentur und Regie: Keine Angaben.

[1] http://www.wahlrecht.de/umfragen/landtage/sachsen-anhalt.htm

[2] https://www.youtube.com/watch?v=6GemKdWc2kg