Der „War Room“ ist mittlerweile zum festen Ausdruck deutscher Kampagnenmanager für die Zentrale von Wahlkämpfen geworden. Geprägt wurde der Begriff durch den Clinton-Wahlkampf 1992, von dem auch die gleichnamige Oscar-nominierte Dokumentation handelt. Im Zentrum der Dokumentation stehen James Carville, strategischer Direktor der Clinton-Kampagne, und der Kommunikationsdirektor George Stephanopoulos. Beide waren quasi die Dirigenten in dem Chaos des War Rooms. James Carville dabei vielleicht mehr Truppenführer als Dirigent…

In der Dokumentation begleitet der Regisseur Chris Hegedis gemeinsam mit seinem Co-Regisseur D. A. Pennebaker die beiden im Präsidentschaftswahlkampf von Bill Clinton 1992. Von der Vorwahl in New Hampshire bis zur Wahlnacht. Bekannt ist der Wahlkampf bis heute für den berühmten Ausspruch: „It’s the Economy, stupid!“.

Die Dokumentation bem winterlichen New Hampshire, dem Staat der ersten Vorwahl, beginnt der Film im Januar 1992. Er endet in der Siegesnacht in Little Rock, Arkansas, Anfang November mit dem Auftritt von Bill Clinton, der gerade George Bush, den Vater, deutlich geschlagen hat. Dazwischen liegen 90 Minuten Besprechungen, Strategiesitzungen, ein Parteitag, Angriff und Verteidigung, Clintons frühe Weibergeschichten, TV-Debatten, Bushs Stolpereien – das meiste gesehen, analysiert und zerpflückt von Carville und Stephanopoulos.

Die Regisseure hatten während des gesamten Wahlkampfs nahezu vollständigen Einblick und schaffen es dem Zuschauer das Gefühl zu geben, selbst mitten drin zu sein. Dabei wird keineswegs eine neutrale Haltung eingenommen, sondern ausschließlich die Sicht des Clinton-Teams präsentiert. Wenn man sich dessen bewusst ist, ist dies aber auch gar nicht schlimm. Der Film bietet auch so einen fast einmaligen Einblick in strategische Besprechungen, Parteitage, Pressetaktiken und sonstige Wahlkampfmanöver. Immer kommentiert von den beiden hervorragenden Wahlkampfstrategen Carville und Stephanopoulos. Egal ob erfahrener Wahlkämpfer, der einen Einblick in die Mechanismen amerikanischer Wahlkämpfe bekommen möchte oder allgemein politisch interessierter Zuschauer, es lohnt sich in jedem Fall dieses Meisterwerk anzusehen!

Die DVD kann auf Amazon erworben werden, wobei sie neu doch mittlerweile sehr teuer ist. Die Version mit deutschen Untertitel, herausgegeben von der SZ Cinemathek, finden Sie hier: The War Room – SZ Cinemathek Dokumentarfilm

Kurzkritik: The War Room
Kompletter und ungefilterter Einblick in KampagneHistorische Wahl wird betrachtetHoher UnterhaltungswertDie handelnden Akteure stehen im Mittelpunkt
Vorwahlen kommen zu kurzDarstellung nur einer Sichtweise
90%Bewertung
Leser Bewertung 2 Stimmen
98%