Ein Zweikampf um die Krone – und ein süßer Hund!

Kurze Spots und Wahlkampfwerbefilme haben in Deutschland – wegen der geringen Möglichkeit zur TV-Ausspielung – noch keinen so großen Stellenwert wie in den amerikanischen Wahlkämpfen mit ihren Millionenbudgets für Werbeslots im Fernsehen. Trotzdem verfügen Kandidaten und Parteien mit Socialmedia, Homepage, regionalen Kinos und RegionalTV-Sendern über eine nicht zu unterschätzende Reichweite. In Bewegtbild lassen sich Kandidaten authentisch darstellen und bieten den Wahlkampfmanagern so ein Tool der unzensierten Präsentation ihres Kandidaten und ihrer Vorstellungen für das Land.

Am 13. März 2016 wird der neue rheinland-pfälzische Landtag gewählt. Aktuelle Umfragen sagen ein spannendes Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen der amtierenden Ministerpräsidentin Malu Dreyer und ihrer Herausforderin Julia Klöckner voraus.
Wie präsentiert sich die Amtsinhaberin in den Werbespots und wie die CDU-Frau? Welche Themen spielen Grüne und FDP? Und in welcher Rolle zeigen sich die Linkspartei und die Alternative für Deutschland?

Gesamt-Bewertung der Spots in Kürze:
1. SPD (1-)
1. CDU (1-)
3. FDP (2-)
4. AfD (3-)
5. GRÜNE (4+)
6. LINKE (5+)

SPD:

Die SPD setzt in Rheinland-Pfalz mit Ministerpräsidentin Malu Dreyer auf die Themen Verantwortung, Zusammenhalt und Substanz. Untermalt von stimmigen Motiven präsentiert sich Malu Dreyer in dem Werbespot am Arbeitsplatz und im Kontakt mit Bürgerinnen und Bürgern. Auffällig ist dabei, dass es sich um nicht gestellte Szenen aus dem Alltag der Politikerin handelt – mit kurzen Passagen aus einer Interview-Situation. Die Recherche ergibt zwar, dass die meisten Aufnahmen schon etwas älter sind, nämlich aus dem Politik Award nominierten Porträtfilm über Malu Dreyer von 2014 [1]. Das tut der Authenzität jedoch keinen wirklichen Abbruch – sondern verstärkt eher die Ausdauer von Malu Dreyer nicht nur in Wahlkampfzeiten nah bei den Menschen zu sein, sondern seit ihrem Amtsantritt 2013 schon. Durch Landschaftsaufnahmen von Rheinland-Pfalz aus der Luft, wird zudem eine Heimatverbundenheit beschworen. Unterlegt von einem passenden Jingle erklärt Malu Dreyer in dem Spot aus dem Off ihre Beweggründe und Liebe für Rheinland-Pfalz – um am Ende direkt in die Kamera zu sprechen, dass sie in Rheinland-Pfalz genau richtig sei.

Das einzige wirkliche Manko des Spots ist, dass sehr stark auf Emotionen und die Vertrauensbildung des Zuschauers zu Malu Dreyer gesetzt wird und dabei etwas die Pläne für das Land verloren gehen. Der Spot von Julia Klöckner zeigt, dass die Verbindung von beidem durchaus möglich ist. Dagegen einwenden könnte man, dass die Kommunikation von Inhalten & Positionen besser in Prospekten, Flyern, Programmen, etc. funktioniert und das Bewegtbildmedium gerade für den Transport von positiven Emotionen in Zusammenhang mit der Kandidatin geeignet ist.

Alles in allem ein stimmiger Spot für eine Ministerpräsidentin. Unsere Bewertung: 1 –

Agentur: Quadrolux
Regie: Benny Weisrock, Marcus Stiehl
Verbreitungskanäle: TV: SWR, Online: Youtube und alle Social-Media-Kanäle, dazu in ausgewählten Kinos.

CDU:

Die CDU Rheinland-Pfalz mit ihrer Herausforderin Julia Klöckner betont in ihrem Spot zur Landtagswahl stark den Begriff „Heimat“ und die Kombination aus „Fortschritt & Tradition“: Julia Klöckner wird naturverbunden und im Weinberg präsentiert. Auffällig ist dabei, dass ihr kleiner Hund häufig präsent ist. Ähnlich wie bei der SPD wird die Kandidatin als Politikerin und als Privatperson bei der Arbeit, im Gespräch mit Bürgerinnen und Bürgern und in Bewegung in der Natur dargestellt – während sie aus dem Off ihre Themen für Rheinland-Pfalz vorstellt: Familien, Sicherheit, Infrastruktur, Integration und Bildung. Bemerkenswert ist, dass die CDU bewusst ein gemeinsames Motiv von Klöckner und Kanzlerin Merkel in den Spot eingebaut hat. Die Aufnahmen des Landes und von Julia Klöckner sind durchweg stimmig und passend – jedoch wirken manche Stellen etwas zu gestellt, bspw. der Griff zu den Schuhen im Kofferraum. Am Ende spricht Klöckner direkt zu dem Zuschauer  – es sei Zeit für frischen Schwung und neue Kraft in Rheinland-Pfalz. Auch wenn der Spot in seiner Machart etwas zu wenig frischen Schwung hat, so ist er handwerklich sehr sauber und inhaltlich stimmig komponiert. Dieser saubere, professionelle Stil kostet dem Spot allerdings etwas an Authentizität. Hier ist wohl der größte Unterschied zum Spot der SPD, die auf visuell schwächere Schnittbilder setzt, die den Spot dadurch allerdings authentischer wirken lassen.  Der CDU-Spot ist etwas konservativ in der Ausführung, aber absolut fehlerfrei und die gesamte Kampagne einfangend. Besonders der Off-Text ist ausgesprochen gut.  Ein stimmiger und sehr guter Spot einer Herausforderin – und am Ende bellt der Hund, süß!

Note: 1-

Agentur: KEMWEB.tv
Regie: Lars Oliver Michaelis
Produktion: Florian Pullig
Verbreitungskanäle: TV: SWR, Online: Homepage, Youtube und Facebook – sowie in ausgewählten Kinos. 

Freie Demokraten:

Auch die Freien Demokraten setzt in ihrem Wahlwerbespot ganz auf ihren Spitzenkandidaten, Dr. Volker Wissing. Wie für Rheinland-Pfalz typisch ist auch er auf einem Weingut aufgewachsen. Dessen Erfahrung im Berliner Politikbetrieb wird etwas unglücklich, fast schon rechtfertigend, im Zusammenhang mit seiner Verwurzelung in Rheinland-Pfalz erwähnt. Dies hätte sprachlich besser gelöst werden können. Stimmige Bilder vom Kontakt des Politikers mit Bürgerinnen und Bürgern, im Weinkeller, in seiner Anwaltskanzlei und ein Drohnenflug über den joggenden Politiker füllen den Spot während Wissing – aus dem Off und in einer Interview-Situation – seine Vision für Rheinland-Pfalz erklärt: erfolgreich bei der Bildung, Ausbau von Breitbandinternet und der Infrastruktur – er möchte Chancen für alle ermöglichen.

Handwerklich ein ähnlich starker Spot wie bei SPD und CDU. Das Finale wäre allerdings durch eine Ansprache von Volker Wissing besser gelöst gewesen, als durch ein statisches Plakat. Eine direkte Ansprache hätte den guten Spot abrunden können – so endet es etwas unstimmig. Dazu fehlt der Musik im Hintergrund etwas an „Bewegung“ – sie plätschert mitunter zu monoton vor sich hin.

Daher im Ergebnis nur eine 2-

Agentur: filmefuerunternehmen.de
Regie: Oliver Gäbel
Verbreitungskanäle: Online: Homepage, Youtube und Social Media

Alternative für Deutschland:

Berufsoffizier Uwe Junge, Ärztin Silvia Groß und Lehrer Joachim Paul sind das Dreigespann an der Spitze des AfD-Wahlkampfs in Rheinland-Pfalz und werden in einem stimmigen Spot vorgestellt. Schon zu Beginn sticht das saubere Bild und die Letterbox, oben und unten, ins Auge. Helmut Schmidt wäre allerdings wohl nicht begeistert, würde er sehen, dass die AfD seine Bücher liest und ihre Politik in Wahlkampfspots damit legitimiert. Mit emotionaler Musik und mehr oder weniger gelungenen Drohnenflügen gibt die AfD einen insgesamt optisch stimmigen Spot ab – mit dem „Highlight“ einer kleinen Deutschlandlied Adaption am Ende. In der Farbbearbeitung (u.a. die Übergänge bei Silvia Groß) und bei mancher Audioaufnahme werden handwerkliche Fehler sichtbar.

Nach den schockierenden Werbespots der AfD in Baden-Württemberg [2] und Sachsen-Anhalt [3] waren unsere Erwartungen nicht die höchsten. In Rheinland-Pfalz bildet die AFD in Sachen Bewegbild allerdings eindeutig nicht das Schlusslicht.

Im Fazit eine 3-

Agentur und Regie: keine Antwort
Verbreitungskanäle: TV: SWR. Online: Youtube

GRÜNE:

Die Grünen in Rheinland-Pfalz präsentieren als einzige Partei einen animierten Spot zur Landtagswahl. Im altbekannten Gegenüberstellen von befürchteter Zukunft und grüner Alternative möchte die Partei für die Weiterführung der rot-grünen Landesregierung werben: als Klima- und Umweltschutzpartei, für kostenlose Bildung, für Integration und gegen rechte Hetzer. In welchem Land wollen sie wohnen?

In der Aufstellung der Angstbilder wurde auf so manches kleine Details geachtet („Auslender raus“) und es gelingt eine kluge Transformation der offline Plakat-Motive in die Online-Kampagne. Wenn noch etwas mehr Zeit in eine stimmige Animation investiert worden wäre, hätte das dem Spot sicher geholfen: die Bilder wirken so überladen und nicht gut konzipiert. Weder eine große Bewegtbild-Revolution, noch handwerklich wirklich sauber gearbeitet. Eine 4+.

Agentur: Mainzer Ring
Regie: Emi Schömer
Verbreitungskanäle: TV: SWR, Online: Homepage, Youtube und Facebook

Die Linke:

Die Linkspartei in Rheinland-Pfalz präsentiert direkt zu Beginn für wen sie Wahlkampf machen: für die wirtschaftlich Schwächsten unserer Gesellschaft. Mit dem Motiv eines Flaschensammlers wird in den insgesamt doch schwachen Werbespot eingestiegen. Hart gesagt könnte man meinen, dass hier auf jegliche Stringenz in der Spotentwicklung verzichtet wurde: eine punkige Bürgerin auf der Straße, ein Gewerkschaftsfunktionär vor einem wechselnden statischen Hintergrundbild dazu missratene Schnitte, zwei unbekannte Personen im „Dialog“ und eine “Weihnachtsansprache” von Gregor Gysi. Handwerklich wirkt der Spot ebenfalls nicht stimmig. Fazit: Diese unbekannte Frau im Spot meint, dass die LINKE  im Landtag genauso die etablierten Parteien nerven wolle wie im Bundestag – uns hat der Spot schon genug genervt! Der muss zurück in die Korrekturschleife. Note: 5+

Agentur: Medienbüro Adrian Roth, Frankenthal / Mannheim, GalaxyStarsProductions Mannheim
Regie: Wahlkampfteam mit Agentur. Verantwortlich: Fabian Bauer
Verbreitungskanäle: TV: SWR, Online: Youtube und Facebook.