Edit: 28.08.2016, 16:30: Auf Aufforderung der AfD Berlin haben wir unsere Aufzeichnung des RBB-Spots auf Facebook offline genommen. 

25.08.2016. EXKLUSIV: Die Alternative für Deutschland (AfD) Berlin nutzt in ihrem Wahlwerbe-Spot ein Lied, ohne die Erlaubnis der Urheber zu besitzen. Das ergaben unsere Recherchen im Umfeld der französischen Band Caravan Palace, deren Elektro-Swing-Lied in dem AfD-Video gespielt wird. 

Einen Monat vor der Wahl verbreitete die AfD Berlin zum ersten Mal ihren Wahlwerbespot für die Abgeordnetenwahl auf ihrer Facebookseite. Wie schon bei der ersten Plakat-Linie bricht die AfD in Berlin mit vielen Wahlkampf-Stereotypen der jungen Partei – altbacken und nationalkonservativ kam die alte Wahlwerbung der Partei daher. Der vorgelegte Spot ist ähnlich zu der ersten Plakatwelle provokant anders: „Wir präsentieren uns sehr modern und unterlaufen alle gängigen Klischees, die die Leitmedien und die Konsensparteien über uns verbreiten“, meint Pressesprecher Roland Gläser gegenüber Campaining & Strategy.

Bildschirmfoto 2016-08-25 um 00.17.25

Wo die Berliner SPD das „Selfie“ als Motiv in ihrem Werbespot entdeckt hat – nutzt die AfD eine blaue Sonnenbrille für ihre „Politik mit Durchblick“. Zumindest schmunzeln kann man noch über die Verweise auf Marx oder den Hauptmann von Köpenick und die angedeutete Brille:Fielmann-Schrift. Warum jedoch ausgerechnet der dunkelhäutige Mitbürger keinen Durchblick haben soll – die AfD bleibt sich ihrer nationalistischen Provokationen treu.

Nur zwei Tagen später ist der Spot wieder vom offiziellen AfD-Kanal gelöscht worden. Manche Unterstützer witterten in den Facebook-Kommentaren schon weiteres Futter für ihre Verschwörungstheorien. Der RBB sendete den Spot jedoch das erste Mal am Dienstagabend. Neben den vielen Sonnenbrillen und jungen Gesichtern macht eine Thematik den Zuschauer stutzig: die Musik. Ein eingängiger Elektro-Swing Loop – noch dazu ein sehr berühmter. Er stammt von der Pariser Band Caravan Palace.

Carvan Palace - Florent Dillon

Caravan Palace // Foto: Florent Dillon

Was verbindet nur die Alternative für Deutschland mit der Musik der französischen Band? Seit 2005 präsentiert die sechsköpfige Band eingängige Swingmelodien. 2015 erschien ihr letztes Album: <I°_°I>. Aus dem Umfeld der Band bekamen wir bestätigt, dass für einen unbekannten Klienten die Rechte an dem Musikstück „Lone Digger“ angefragt wurden – eben jenes Lied, das nun den Wahlwerbespot der AfD untermalt. Bei einem Song, der auf Youtube schon 19 Millionen Mal abgerufen wurde ein normaler Vorgang. Die Band stimmte jedoch der Verwendung nicht zu, da ihnen der Name des Klienten und der Inhalt des Spots nie mitgeteilt wurde. Die unerlaubte Veröffentlichung findet das Umfeld der Band nun “bestürzend”. Zur Zeit werden mögliche rechtliche Schritte geprüft, weshalb auch das Label Warner/Chappel keine weiteren Auskünfte geben möchte. Das Label lässt gerade Re-Uploads des AfD-Spots ebenfalls von Youtube löschen. Auch der RBB, der den Spot ausstrahlte, ist über die Urheberverletzung verwundert; verweist jedoch darauf, dass sie für den Inhalt der Wahlwerbespots nicht verantwortlich sind, da es für eine solche Prüfung keine rechtliche Verpflichtung gebe.

Die AfD Berlin antwortete auf unsere Anfrage nicht. Gegenüber BILD sprach AfD-Sprecher Gläser von einem “Missverständnis im Bezug auf Rechte”. Der Beitrag werde neu vertont.

Am Ende bleibt in der ganzen Thematik neben der unerlaubten Nutzung nur eine Frage offen: Sind farbige Brillen nicht sogar schon auf dem Ballermann wieder out? No Way?

Der Song 

Weiteren Werbeclip-Analyse zur Berlinwahl finden sie hier.

Quelle Titelfoto: Screenshot AfD Werbespot.